Historischer QUECKSILBERBERGBAU am Potzberg


Höhepunkt in den 1780er Jahren
Die Pfalz war um 1800 das drittwichtigste Quecksilbererzeugungsgebiet in Europa. Am Potzberg wurde nachweislich seit den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts bis zum Jahr 1866 Bergbau auf Zinnobererze betrieben. Das Bergbaurevier in dieser zweiten pfälzischen Abbauperiode verteilte sich hauptsächlich auf die Gemarkungen Gimsbach, Rutsweiler, Mühlbach und Föckelberg. Die Kurpfälzische Regierung versprach sich mit der Gewinnung des Quecksilbers neue Einnahmequellen. Begonnen wurde am südlichen Potzberg („Alter Potzberg“), ab 1771 verlagerte sich der Schwerpunkt dann auf den viel erzreicheren nördlichen Potzberg. Der Höhepunkt dürfte in den 1780er Jahren gelegen haben. Aus dieser Zeit stammt eine alte Grubenkarte des kurpfälzischen Bergmeisters Adolph E. Ludolph. Die Grubennamen zeugen vom christlichen Glauben der Bergleute. Zahlreiche Versuchsgruben, Schurfstollen und sonstige Schürfe kennzeichnen diese Periode des Bergbau-Booms. Viele Projekte blieben aber leider erfolglos und gingen nach kurzer Zeit wieder ein. Nur sehr wenige Gruben konnten über längere Zeit bestehen und brachten einen mehr oder weniger rentablen Erfolg. Nach dem erwartungsvollen Beginn und den Jahren des Hoffens begann am Potzberg das große Zechensterben. 1795 waren nur noch 5 Gruben in Betrieb, 1850 noch 3, bis schließlich der Bergbau 1866 mit dem Dreikönigszug erlosch. Der fast 9 Jahrzehnte in Betrieb gewesene Dreikönigszug war eines der rentabelsten Quecksilbergruben der Pfalz und Deutschlands. Noch heute erinnern zahlreiche Oberflächenrelikte im Potzbergwald wie Mundlöcher, eingefallene Stollen (Pingen), Halden, die Stollenquelle („Gelbes Wasser“) sowie das einstige Bergverwalterhaus in der Bergmannssiedlung Dreikönigszug und die Wohnsiedlung Kellerhäuschen an die Montangeschichte am Potzberg.

Zinnobererze
Der Potzberg als Teil des Pfälzer Sattels wird vor allem von den Heusweiler Schichten des Oberkarbons gebildet. Sie bestehen aus Sandsteinen, Arkosen, Tonsteinen und eingelagerten
Konglomeraten. In diesen Sedimentgesteinen wurden an den Verwerfungslinien Zinnobererze (HgS) abgelagert, die eine Verbindung von Quecksilber mit Schwefel darstellen. Das toxische Schwermetall Quecksilber (Hg), eines der sieben Metalle des Altertums, wurde im 18. Jahrhundert vor allem für das Barometer, für die Spiegelherstellung, die Amalgamation (Gold- und Silbergewinnung) und in der Medizin verwendet.

Anteilseigner
Wer nach einer Schürfbewilligung Erzvorkommen aufgespürt hatte, konnte eine Mutung beantragen und mit dem Abbau der begehrten „Mercurialerze“ beginnen. Die Grubenanteilseigner, oft vermögende Leute aus der Region oder dem Ausland, waren in Gewerkschaften zusammengeschlossen. Anteilsscheine konnten gekauft und verkauft werden, die Gesellschafter nahmen an Gewinn und Verlust teil. Ein in Ausbeute stehendes Bergwerk war eingeteilt in 33 Stämme oder 132 Kuxen. Ein herrschaftlicher Freistamm stand dem Kurfürsten der Pfalz zu.

Wirtschaftsfaktor
Mit Holz ausgebaute Stollen wurden ins Berginnere getrieben. Probleme ergaben sich dabei oft bei der Belüftung, Beleuchtung und Entwässerung. Mühselig und hart war die Arbeit mit Schlägel und Eisen, bei den größeren Gewerkschaften war jedoch auch schon Schwarzpulver im Einsatz. Die Erzförderung erfolgte mit Kübeln, Haspeln und hölzernen Karren. Vor den Mundlöchern wurde das „taube“ Gestein dann zerkleinert und aussortiert. Unter den 94 Arbeitern (1788) des Dreikönigszuges waren 31 Kinder und 5 Frauen. Unter der Belegschaft finden sich Berufe wie Bergverwalter, Laboranten, Ober- und Untersteiger, Berghauer, Karrenläufer, Grubenjungen, Ausschlagjungen und -frauen und Haspelknechte. Des Weiteren wurden Schmiede, Holzarbeiter, Sattler und Gerber benötigt. Der Dreikönigszug (Gesamtausbeute: 975.000 Pfund), der stets liquide war, sicherte den Bergleuten ein bescheidenes Dasein. Im Spitzenjahr 1782 wurde 25.299 Pfund Quecksilber verkauft. Zahlreiche erfahrene Bergarbeiter, Männer mit „frommem Sinn und bescheidener Art“, kamen aus der Nordpfalz, aus Sachsen und Tirol an den Potzberg.

Zwischen 1767 und 1793 erbrachte der Potzberg nur an wenigen Gruben Quecksilber: Dreikönigszug (368.854 Pfund, 11 Loth), Elisabethengrube (40.788 Pfund, 28 Loth), Hilfe Gottes (18.376 Pfund), Davidskron (16.056 Pfund), Alter Potzberg (6.219 Pfund), Freier Wille (1.743 Pfund, 24 Loth), Vogelacker (40 Pfund), Pottaschhütte (33 Pfund, 24 Loth). Insgesamt: 452.111 Pfund, 23 Loth.


Verhüttung
Mindestens 9 Laboratorien (Verhüttungsanlagen) mit tönernen, später eisernen Retorten (flaschenähnliche Gefäße) sind am Potzberg bezeugt. Ein Brennvorgang, der unter Beimischung von Kalk Quecksilber von Schwefel trennte, dauerte 8 Stunden bei über 356 Grad Celsius. Das im Laboriervorgang gewonnene Quecksilber wurde gesammelt und nach Quartalsende an Handelsmänner verkauft. Aufgrund der giftigen Quecksilberdämpfe an den Öfen war die Arbeit extrem gesundheitsgefährdend.

Ende
Die Quecksilberproduktion am Potzberg erstreckte sich von den „fetten Kurfürstenjahren“ über die „Franzosenzeit“ in die Bayerische Zeit. In den 1860er Jahren ging der Zinnobererzabbau am Potzberg schließlich zu Ende. Die Ausbeute war zu aufwändig geworden, die ausländische Konkurrenz zu stark und der Bedarf an Quecksilber gering. Man wandte sich im 19. Jahrhundert zunehmend dem Steinkohlenbergbau und der Hartsteinindustrie zu. Mehrere groß angelegte Tiefbohrungen auf Steinkohle am Potzberg kurz vor und nach 1900, wie z.B. am Spelgenbach und am Wildfrauenloch, blieben erfolglos.

Text: Jan Fickert (Tafel am Parkplatz auf dem Potzberggipfel), 2014.
 
  

 

Bergwerke rund um den Potzberg

  

Auf wikipedia.org finden Sie eine Liste mit den bekannten Bergwerken am Potzberg und deren wichtigsten Daten.
 

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Bergwerken_in_der_Pfalz#Potzberg

  

Bildquelle:  https://tools.wmflabs.org/

  

Eine Lageübersicht der Bergwerke finden Sie hier.